Heilig-Kreuz-Münster

Mit der Geschichte der Stadt ist die Geschichte ihrer alten Pfarrkirche aufs engste verbunden. Ihr kleinerer Vorgängerbau an derselben Stelle - man kennt den Grundriss: eine dreischiffige romanische Basilika von etwa 41 Meter Länge, flankiert von zwei Chortürmen - dieser dem Hl. Kreuz geweihte Vorgängerbau an der höchsten Stelle des Stadtkerns reicht zurück bis in die Zeit der Stadtgründung unter den Staufern um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Als wichtiger Verwaltungsmittelpunkt staufischer Herrschaft erlebte Gmünd damals seine erste Blütezeit mit wirschaftlichem Aufschwung, vielseitiger Bautätigkeit und einem schnellen Wachstum der Bevölkerung weit über den inneren Mauerring hinaus.

 

Heilig-Kreuz-Münster Altat

Der Aufschwung der jungen Stadt hat, wenngleich gebremst, den Niedergang der Stauferherrschaft überdauert. Gmünd wurde Reichsstadt, eine kleine Mittelstadt, um 1300 mit etwa 2.500 Einwohnern. Um so erstaunlicher bleibt die Tatsache, dass die Einwohner, dem Beispiel anderer Städte folgend, wohl in den Jahren um 1315 den kühnen Entschluss fassten, an der Stelle ihrer seitherigen noch keine 200 Jahre alten romanischen Pfarrkirche einen bedeutend größeren Neubau zu errichten, nunmehr im gotischen Stil, dem Zeitgeist und neueren Zeitgeschmack entsprechend. Geweiht wurde der Neubau der Gottesmutter; das Marienpatrozinium ist erstmals 1329 bezeugt; das Heilig-Kreuz-Patrozinium trat vorübergehend in den Hintergrund. Da die unabsehbar hohen Kosten im wesentlichen von der Bürgerschaft selbst zu tragen waren, hatte das Augsburger Domkapitel, seit 1297 Besitzer des Patronatsrechts über die Gmünder Pfarrkirche, nichts gegen das ebenso selbstbewusste wie kostspielige Vorhaben einzuwenden.

 

Heilig-Kreuz-Münster Prophet

Man übertrug die ersten Arbeiten einem heute unbekannten Baumeister. Der plante, dem Schema des Vorgängerbaus entsprechend, eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit höherem Mittelschiff und niedrigeren schmalen Seitenschiffen. Der Neubau sollte im Westen beginnen, nach Osten ausgreifen und schrittweise, möglichst ohne Behinderung des Gottesdienstes, den romanischen Vorgängerbau ersetzten.

 

Bald jedoch erfolgte ein tiefgreifender Planwechsel. Heinrich Parler aus Köln, der wohl zwischen 1320 und 1330, das genaue Datum ist unbekannt, als Nachfolger jenes ersten Gmünder Baumeisters verpflichtet wurde, überzeugte mit dem Projekt einer gotischen Halle mit drei gleichhohen Schiffen und hohen  Rundpfeilerarkaden, mit einer Hallenkirche, wie sie bis dahin in Süddeutschland weithin unbekannt war. Um 1350 hatte das neue Langhaus die Chorbogenwand und die Türme des Vorgängerbaus erreicht

 

Heilig-Kreuz-Münster Chor

Am 17. Juli 1351 wurde der Grundstein zum Chor gelegt. Gute Gründe sprechen dafür, eine Reihe von unverkennbar neuartigen Gestaltungselementen gerade am Chor eher der jüngeren Generation zuzuschreiben, d. h. Heinrich Parlers Sohn Peter; mit letzter Sicherheit wird sich freilich die Frage nach dem jeweiligen Anteil von Vater und Sohn nicht beantwortet lassen, zumal Peter Parler schon 1356 von Kaiser Karl IV. nach Prag verpflichtet wurde. Ein in den Urkunden erwähnter Werkmeister Johann, wohl ein Bruder Peter Parlers, hat den Bau noch in den Jahren nach 1370 betreut. Um 1380 verließ die Parler-Hütte Gmünd, da sich am Ulmer Münster ein neues, größeres Tätigkeitsfeld ergab. Mit erheblicher Verzögerung konnte der Hochaltar 1410 eingeweiht werden.
 

Lange Zeit hat man sich mit der Notlösung einer Flachdecke begnügt. Die von den Parlern geplante, aber nicht mehr durchgeführte Einwölbung wurde -anders gestaltet - erst 1491 in Angriff genommen, beginnend mit der Einwölbung im Chor unter den erfahrenden Baumeistern Aberlin Jörg und Hans von Urach. Als geradezu fahrlässig erwies sich der Entschluss eines nachfolgenden Baumeisters, die Chorbogenwand des Vorgängerbaus abzubrechen. Die Folge war der Einsturz der beiden Türmen in der Karfreitagsnacht am 24. März 1497. An einen Wiederaufbau der Türme war nicht mehr zu denken, dazu fehlten die Mittel und jetzt wohl auch der Wille. Was sich ermöglichen ließ, auch mit Hilfe von Ablassgeldern, war unter vielem anderen ab 1504 die Einwölbung nun auch des Langhauses (Stephan Weyrer und Burkhart Engelberg) und damit eine harmonische Verbindung der beiden Hallen von Langhaus und Chor. Mit dem Abschluss der Einwölbungsarbeiten war der Bau im Wesentlichen vollendet.
 

Literatur

Falls Sie mehr über das Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Münsterführer (in deutsch und englisch) oder unser Buch "Das Heilig-Kreuz-Münster".

 

Im Münsterführer sowie im Münsterbuch wird die detaillierte Baubeschreibung der Westfassade, Chor, Langhaus, Portale, Innenraum, Chorraum und Hochaltar mit zahlreichen brillianten Bildern von Johannes Schüle ausführlich erläutert.
 

Einem besonderen Detail der Außenfassaden widmet sich das Buch "Botschafter der Lüfte". Es werden alle Wasserspeier in faszinierenden Aufnahmen zusammen mit begleitenden Texten beschrieben.

 

 

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Heilig-Kreuz-Münster Madonna am Westportal

 

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